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30. Mai 2026

IHHT bei chronischen Atemwegserkrankungen: zelluläres Training für COPD und Asthma

Warum die Lunge auf zelluläre Energie angewiesen ist. Und wie IHHT als passives Training die Sauerstoffnutzung, Ausdauer und autonome Regulation unterstützen kann.

Wenn jeder Atemzug anstrengt: chronische Lungenerkrankungen verstehen

Atmen ist das Selbstverständlichste der Welt, solange es funktioniert. Rund 20.000 Mal am Tag holt Dein Körper Luft, ohne dass Du darüber nachdenkst. Doch für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma ist jeder einzelne Atemzug eine bewusste Anstrengung. Das Treppensteigen wird zur Belastungsprobe, ein Spaziergang zum Kraftakt, und selbst Gespräche können atemlos machen.

COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft verengt und die Lungenbläschen geschädigt sind. Die Lunge verliert nach und nach ihre Fähigkeit, Sauerstoff effizient aufzunehmen und Kohlendioxid abzugeben. Weltweit betrifft COPD Hunderte Millionen Menschen und gehört zu den häufigsten Todesursachen. In der Schweiz leben schätzungsweise 400.000 Betroffene, viele davon ohne Diagnose.

Asthma unterscheidet sich von COPD, weil die Atemwegsverengung grundsätzlich reversibel ist. Die Bronchien reagieren überempfindlich auf Reize wie Allergene, kalte Luft oder körperliche Belastung und verengen sich krampfartig. Dazu kommt eine chronische Entzündung der Atemwege, die die Schleimhaut anschwellen lässt und die Schleimproduktion erhöht. Trotz guter medikamentöser Kontrolle erleben viele Asthma-Patienten wiederkehrende Einschränkungen ihrer Belastbarkeit und Lebensqualität.

Beide Erkrankungen haben eines gemeinsam: Die Standardtherapie mit Inhalatoren, Kortison und Bronchodilatatoren ist unverzichtbar und wirksam. Gleichzeitig wünschen sich viele Betroffene ergänzende Massnahmen, die über die reine Symptomkontrolle hinausgehen und die körperliche Belastbarkeit verbessern. Genau hier wird IHHT als komplementärer Ansatz zunehmend interessant. Falls Du noch nicht genau weisst, was IHHT eigentlich ist und wie es auf zellulärer Ebene arbeitet, lohnt sich ein Blick auf unseren Grundlagenartikel.

Mitochondrien in der Lunge: warum zelluläre Energie auch hier entscheidend ist

Die Lunge ist nicht einfach ein passiver Gasaustauscher. Sie ist ein hochaktives Organ mit enormem Energiebedarf. Die Zellen der Atemwege, die Alveolarzellen (Lungenbläschen), die glatte Muskulatur der Bronchien und die Immunzellen im Lungengewebe benötigen alle eine leistungsfähige mitochondriale Energieversorgung, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Bei chronischen Atemwegserkrankungen zeigt die Forschung, dass die mitochondriale Funktion auf mehreren Ebenen beeinträchtigt ist. Die Typ-II-Alveolarzellen, die das Surfactant produzieren (eine Substanz, die die Lungenbläschen offenhält), sind auf funktionsfähige Mitochondrien angewiesen. Wenn diese Zellen energetisch geschwächt sind, leidet die Lungenfunktion unmittelbar. Gleichzeitig sind auch die Mitochondrien in der Skelettmuskulatur und besonders in der Atemmuskulatur betroffen. Das erklärt, warum COPD-Patienten nicht nur Atemnot haben, sondern auch eine generell reduzierte Belastungstoleranz.

Ein Teufelskreis entsteht: Die geschädigte Lunge liefert weniger Sauerstoff ans Blut. Die Mitochondrien im gesamten Körper erhalten deshalb weniger Sauerstoff für die Energieproduktion. Die Muskulatur wird schwächer, die Belastbarkeit sinkt, die Betroffenen bewegen sich weniger, und der Konditionsverlust verschärft das Problem weiter. IHHT setzt an diesem Punkt an, denn es trainiert die Mitochondrien, auch unter reduzierten Sauerstoffbedingungen effizienter zu arbeiten. Mehr über die grundlegenden Mechanismen findest Du auf unserer Seite zur Wirkungsweise.

Wichtig: IHHT ersetzt keine Medikamente. Inhalatoren, Kortison und andere verordnete Therapien bleiben die Grundlage der Behandlung von COPD und Asthma. IHHT ist ein ergänzender Ansatz, der auf zellulärer Ebene die Sauerstoffnutzung und Energieproduktion unterstützen kann.

Chronische Atemwegserkrankungen: der Teufelskreis Und wie IHHT auf zellulärer Ebene eingreifen kann Geschädigte Atemwege COPD / Asthma / Entzündung Weniger Sauerstoff Mitochondrien unterversorgt Muskel- und Atemschwäche Weniger ATP, weniger Kraft Bewegungsmangel Konditionsverlust, Isolation IHHT: passives Training im Liegen Mitochondrien stärken, O2-Nutzung verbessern Durchbricht den Kreislauf

COPD und IHHT: was die Studien zeigen

Die Forschung zu intermittierender Hypoxie bei COPD-Patienten hat in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Dabei ist eine klare Unterscheidung wichtig: Es geht nicht um chronische, unkontrollierte Hypoxie (wie sie bei schwerem Schlafapnoe-Syndrom oder extremer Höhenexposition auftritt und nachweislich schädlich ist), sondern um kontrollierte, kurzzeitige Hypoxie-Reize im Wechsel mit Normoxie oder Hyperoxie. Genau das ist das Prinzip von IHHT.

Belastungstoleranz: Mehrere Studien zeigen, dass COPD-Patienten nach einem IHHT-Protokoll ihre körperliche Belastbarkeit verbessern konnten. Gemessen wird das häufig mit dem 6-Minuten-Gehtest, einem Standardinstrument in der Pneumologie. Betroffene konnten nach mehrwöchigen IHHT-Anwendungen signifikant weitere Strecken zurücklegen als vorher. Das ist bemerkenswert, denn die Verbesserung tritt ein, obwohl die Patienten während der IHHT-Sitzung körperlich inaktiv sind. Sie liegen entspannt und atmen über eine Maske. Das macht IHHT besonders interessant für Patienten, deren Mobilität so stark eingeschränkt ist, dass aktive pulmonale Rehabilitation kaum möglich ist.

Sauerstoffnutzung: Die Studien deuten darauf hin, dass IHHT die periphere Sauerstoffverwertung verbessert. Das bedeutet: Nicht nur die Lunge nimmt den Sauerstoff auf, sondern die Zellen im gesamten Körper lernen, den verfügbaren Sauerstoff effizienter zu nutzen. Für COPD-Patienten, deren Sauerstoffangebot ohnehin reduziert ist, kann das einen spürbaren Unterschied im Alltag ausmachen.

Autonome Regulation: Ein weiterer Forschungsstrang untersucht die Herzratenvariabilität (HRV) bei COPD-Patienten nach IHHT. COPD geht häufig mit einer gestörten autonomen Regulation einher, also einem Ungleichgewicht zwischen Sympathikus (Stresssystem) und Parasympathikus (Erholungssystem). Erste Studien zeigen, dass IHHT die HRV bei COPD-Patienten verbessern kann, was auf eine bessere autonome Balance hindeutet. Eine verbesserte HRV ist mit weniger Atemnot in Ruhe und besserer kardiovaskulärer Anpassungsfähigkeit verbunden.

Ehrliche Einordnung: Die bisherige Studienlage ist vielversprechend, aber sie hat Grenzen. Viele Untersuchungen arbeiten mit kleinen Stichproben, und es fehlen noch grosse randomisierte kontrollierte Studien mit langer Nachbeobachtung. IHHT ist kein etablierter Bestandteil der COPD-Leitlinien. Es ist ein ergänzender Ansatz, der auf plausiblen Mechanismen und ermutigenden Pilotstudien basiert. Mehr zur aktuellen Forschungslage findest Du auf unserer Forschungsseite.

Asthma und Atemwegsreaktivität: Hinweise aus der Forschung

Bei Asthma liegt das Kernproblem nicht primär in der zerstörten Lungenstruktur (wie bei COPD), sondern in der überschiessenden Reaktivität der Atemwege. Die Bronchien reagieren auf Reize mit Verkrampfung, Schwellung und vermehrter Schleimproduktion. Dahinter steckt eine chronische Entzündung, die durch Immunzellen im Atemwegsgewebe unterhalten wird. Dieselbe immunologische Dysbalance zeigt sich bei vielen Betroffenen auch in der Haut, etwa als Neurodermitis, denn beide Erkrankungen gehören zum atopischen Formenkreis. Genau hier wird der Zusammenhang zwischen Mitochondrien, Entzündung und IHHT relevant.

Entzündungsregulation: Kontrollierte intermittierende Hypoxie kann über den HIF-1-alpha-Signalweg entzündungsmodulierende Effekte auslösen. Das bedeutet nicht, dass die Entzündung einfach unterdrückt wird, sondern dass das Gleichgewicht zwischen pro-inflammatorischen und anti-inflammatorischen Prozessen verbessert werden kann. Für Asthma-Patienten, deren Atemwege chronisch entzündet sind, könnte das langfristig relevant sein. Mehr zu IHHT und Entzündungsprozessen findest Du in unserem Artikel zu Entzündungen und chronischen Beschwerden.

Belastungsasthma: Ein besonders häufiges Problem ist das belastungsinduzierte Asthma. Körperliche Anstrengung führt bei vielen Betroffenen zu Atemwegsverengung und Atemnot. Das führt oft dazu, dass Bewegung vermieden wird, was wiederum die allgemeine Fitness verschlechtert. IHHT könnte hier einen interessanten Ansatz bieten: Als passives Training, bei dem der Patient entspannt liegt, kann es die zelluläre Fitness verbessern, ohne die typischen Asthma-Trigger auszulösen.

Stärkung der Atemmuskulatur: Auch beim Asthma spielt die Atemmuskulatur eine wichtige Rolle. Chronisches Asthma führt häufig zu einer Überblähung der Lunge und einer ungünstigen Stellung des Zwerchfells. Die Atemhilfsmuskulatur wird stärker beansprucht und ermüdet schneller. IHHT kann die mitochondriale Funktion in diesen Muskeln verbessern, was zu einer effizienteren Atemarbeit beitragen kann.

Wichtige Einschränkung: Die Datenlage zu IHHT bei Asthma ist noch deutlich dünner als bei COPD. Es gibt Hinweise auf positive Effekte, aber keine grosse Studienbasis, die definitive Aussagen erlaubt. IHHT bei Asthma sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Pneumologen erfolgen. Das Absetzen oder Reduzieren von Asthma-Medikamenten aufgrund von IHHT wäre nicht gerechtfertigt.

Autonome Regulation: wie IHHT Atemmuskulatur und Nervensystem unterstützt

Das autonome Nervensystem steuert viele Funktionen, die bei Atemwegserkrankungen eine zentrale Rolle spielen: die Weite der Bronchien, die Schleimproduktion, die Atemfrequenz und die Reaktion auf Stress. Bei chronischen Lungenerkrankungen ist dieses System häufig aus dem Gleichgewicht geraten. Der Sympathikus, also das Stresssystem, dominiert, während der Parasympathikus, zuständig für Erholung und Regulation, zu wenig aktiv ist.

Dieses Ungleichgewicht hat konkrete Folgen. Eine sympathische Dominanz kann die Atemwegsreaktivität verstärken, die Erholung nach Belastung verlangsamen und das subjektive Empfinden von Atemnot intensivieren. Viele COPD- und Asthma-Patienten berichten, dass Stress und Angst ihre Symptome deutlich verschlechtern. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer gestörten autonomen Regulation.

IHHT wirkt auf das autonome Nervensystem, indem der kontrollierte Wechsel zwischen Sauerstoffmangel und Sauerstoffüberschuss die sogenannten Chemorezeptoren trainiert. Diese Sensoren im Körper registrieren Veränderungen im Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt des Blutes und passen die Atemregulation entsprechend an. Durch regelmässiges IHHT-Training werden diese Rezeptoren sensibler und effizienter. Das kann zu einer ruhigeren, tieferen Atmung und einer verbesserten Anpassungsfähigkeit bei Belastung beitragen.

Ein besonderer Vorteil von IHHT bei Atemwegserkrankungen ist die Passivität der Anwendung. Die Patientin oder der Patient liegt bequem und atmet durch eine Maske. Es ist keine körperliche Anstrengung erforderlich. Für Menschen mit schwerer COPD, die kaum noch Treppen steigen können, oder für Asthma-Patienten, bei denen jede Belastung einen Anfall auslösen kann, ist das ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischer pulmonaler Rehabilitation.

IHHT bei Atemwegserkrankungen: drei Wirkebenen Zelluläre, muskuläre und autonome Effekte Zelluläre Ebene Neue Mitochondrien Bessere O2-Nutzung Mehr ATP-Produktion Weniger oxidativer Stress Bessere Zellenergie Muskuläre Ebene Stärkeres Zwerchfell Atemhilfsmuskulatur Belastungstoleranz 6-Min.-Gehtest verbessert Mehr Ausdauer Autonome Ebene HRV verbessert Chemorezeptoren trainiert Ruhigere Atmung Weniger Atemnot Bessere Regulation Passives Training im Liegen: kein Asthma-Trigger, keine Überbelastung

Für wen geeignet und wann Vorsicht geboten ist

IHHT kann für verschiedene Gruppen von Atemwegserkrankten eine sinnvolle Ergänzung sein. Gleichzeitig gibt es klare Situationen, in denen Vorsicht geboten ist oder IHHT nicht angewendet werden sollte. Transparenz ist hier entscheidend.

Geeignet kann IHHT sein für:

Vorsicht geboten oder nicht geeignet:

Unser Ansatz: Vor jeder IHHT-Anwendung bei Atemwegserkrankungen führen wir ein ausführliches Gespräch. Wir fragen nach Diagnosen, Medikamenten, aktuellem Krankheitsstatus und Begleiterkrankungen. Im Zweifelsfall empfehlen wir eine Rücksprache mit dem Pneumologen. Sicherheit geht bei uns vor.

Ein realistischer Rahmen für IHHT bei Atemwegserkrankungen umfasst zwei bis drei Sitzungen pro Woche über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Jede Sitzung dauert 30 bis 45 Minuten. Die Intensität der Hypoxie-Phasen wird individuell angepasst und beginnt moderat. Fortschritte zeigen sich oft erst nach mehreren Wochen, weil die zellulären Anpassungsprozesse Zeit brauchen. Geduld und Regelmässigkeit sind entscheidend.

IHHT ist ein komplementärer Ansatz. Es ergänzt die bestehende Therapie, ersetzt sie aber nicht. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn IHHT in ein Gesamtkonzept eingebettet ist, das medikamentöse Therapie, Atemphysiotherapie, angepasste Bewegung und eine entzündungsarme Ernährung umfasst. Wenn Du herausfinden möchtest, ob IHHT für Deine Situation geeignet sein könnte, schau Dir unser Angebot an oder nimm direkt Kontakt mit uns auf. Wir beraten Dich ehrlich und ohne Verkaufsdruck.

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